Honorar für Texter – und ewig grüßt das Hamsterrad

Immer häufiger treffe ich auf Auftraggeber, die der Meinung sind, einen hochwertigen Text zu einem Fachthema für 1 Cent pro Wort zu bekommen. Nicht weniger häufig sind diese Auftraggeber derartig anspruchsvoll, dass sich mir die Frage aufdrängt, wie sie dazu kommen, bei diesen Preisen Ansprüche zu stellen. Auch Texter-Agenturen haben sich diese Preise aufs Blatt geschrieben. Für Texter ist das zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Es droht das klassische Hamsterrad. Der Texter muss viel für wenig Geld erledigen, um zu überleben. Die Qualität leidet. Doch woher kommen diese Preise?

Dumping-Preise bei Textern

Vor allem Neueinsteiger versuchen mit niedrigen Preisen, den Fuß in die Tür und auf diese Weise Aufträge zu bekommen. Die Folge sind Wortpreise von zwei Cent und weniger. Das wissen auch Auftraggeber und vergeben vorrangig Aufträge an Texter mit diesen Honoraren. Die Qualität und der Informationsgehalt der Texte spielen dabei keine Rolle. Wichtig ist der Wortpreis. Je niedriger, desto besser.
Die Konsequenz dieser Preispolitik ist im Internet zuhauf zu finden. Mein Blutdruck schnellt regelmäßig bei Recherchen im Internet in die Höhe, wenn ich Texte lese, die bis auf ein paar Wortumstellungen völlig identisch zu anderen Texten und stilistisch einfach eine Katastrophe sind. Dazu kommen die offenbar falschen Informationen, die aus mangelhaften Recherchen bzw. aus dem Abschreiben von anderen Texten resultieren. Der Teufelskreis ist vorprogrammiert. Der Leser erhält falsche Informationen und der nächste Texter trägt sie weiter.

Honorare für Texter verhandeln und überzeugen

Eine Lösung scheint es nicht zu geben. Für Journalisten und Texter heißt das: Entweder hart verhandeln oder nur die Aufträge annehmen, die der Leistung auch tatsächlich entsprechen.
Da die meisten Auftraggeber nicht wissen, wie aufwendig eine Texterstellung ist, gestalten sich die Honorarverhandlungen bei Textern relativ schwierig. Mit dem hohen Aufwand zu kommen, hilft meistens nicht viel.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Auftraggeber am ehesten gewillt sind, nachzugeben, wenn ich ihren Nutzen aus meiner Arbeit herausstelle. Angenommen ich schreibe für einen Online-Shop. Natürlich hat der Auftraggeber ein großes Interesse daran, dass möglichst viele Verbraucher auf seinen Shop gelenkt werden. Das gelingt aber nur, wenn ich auch die Zeit habe, gründlich zu recherchieren, ordentliche und vor allem suchmaschinenoptimierte Texte zu verfassen und diese auch noch verständlich zu verfassen.
Die Zeit habe ich aber nur, wenn ich nicht 10 Texte à 800 Wörter am Tag schreiben muss, um meine Miete bezahlen zu können. Das heißt für den Auftraggeber, dass er entweder mehr bezahlt oder Texte in geringerer Qualität bei einem höheren Zeitaufwand bekommt.

Oft bringe ich dann ein schönes Rechenbeispiel: 

1 Text à 800 Wörter für 1,15 Cent pro Wort ergibt ein Text-Honorar von 12 Euro.

Je nach Thema benötige ich für einen solchen Text ungefähr zwei bis drei Stunden inklusive Recherche und groben Aufbau. Die Korrekturlesung ist hier noch nicht einbezogen. Für die Korrekturlesung, d. h. stilistische, grammatikalische, orthographische Prüfung zuzüglich der Prüfung der Keyworddichte, veranschlage ich grob 30 Minuten. Das heißt, ich würde für einen Stundenlohn von 3,43 Euro bis 4,80 Euro arbeiten und läge damit weit unter dem gesetzlich verankerten Mindeststundenlohn.

Bei diesem Rechenbeispiel fangen die meisten Auftraggeber an, nachzudenken, und etwas höher im Honorar zu gehen.

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